Das Thema Livestream scheint in den letzten Jahren in der Spieleindustrie immer größer zu werden. Begann alles mit der simplen Übertragung von Spielern, die sich selbst beim Spielen filmten, ist es heute auf ein ganz anderes Level angestiegen. Plattformen ermöglichen es mittlerweile, ganze Spielinhalte aus der Cloud zu streamen und Liveübertragungen sind für viele Games bereits ein interaktives Element, durch das sie mit anderen kommunizieren und gemeinsam spielen können. Der Trend Livestream scheint die Gamingwelt zu revolutionieren. Aber wie viel Sinn macht die Liveübertragung wirklich und wie sind die Prognosen für die Zukunft?

Martina Gloor

Livestreaming erobert die Industrie

Liveübertragungen waren lange Zeit vor allem auf den Bereich von Sportevents oder Shows auf dem Fernseher begrenzt. Streaming-Technologien für Spiele zu verwenden, war damals noch kein Thema. Mit dem Erfolg der Video-Plattform YouTube entstanden die ersten Let’s-Player, die auf ihren Channels beliebte Videospiele spielten und sich und ihren Bildschirm dabei filmten. Dies war meistens nicht live, stattdessen wurden die Videos bearbeitet und nachträglich auf die Plattform geladen. Diese Aufnahmen wurden unter Gamern extrem beliebt, denn sie waren nicht nur besonders unterhaltsam, sondern dienten auch als perfekte Rezensionen von Spielen oder zeigten Lösungswege, wenn man im Lieblingsspiel feststeckte. Besonders erfolgreich wurde der Let’s-Player PewDiePie, der durch seine witzigen Reaktionen auf Horrorspiele berühmt wurde und später auch auf andere Genres umstieg. Let’s-Player spielten also nicht nur vor sich hin, sondern mussten gleichzeitig Entertainer sein, die mit witzigen Kommentaren das Spiel auflockerten. Dadurch, dass die Videos besonders einfach hergestellt werden konnten, stieg die Anzahl der Let’s-Player ins Unermessliche und es wurde immer schwieriger, sich von der Masse abzuheben.

Die YouTube-Sensationen mussten sich also neue Wege überlegen, um die Zuschauer zu bannen. Die Plattform Twitch.tv wurde zu dieser Zeit immer populärer, denn sie ermöglichte den Entertainern, ihre Inhalte live zu übertragen. YouTube zog nach und brachte eine Live-Funktion heraus. Somit konnten Zuschauer live kommentieren und somit den Spielverlauf mitgestalten. Die Streamer konnten gleichzeitig lesen, was sich ihre Fans wünschen und direkt darauf reagieren.

Nachdem sich der Livestream besonders unter den Gamern durchgesetzt hatte, folgten auch die sozialen Medien dem Trend. Facebook und Instagram brachten eigene Livestreaming-Funktionen auf den Markt, die jedoch vor allem für lustige Momentaufnahmen oder kurze Updates an Familie und Freunde genutzt wurden. Aber die Gamingindustrie entdeckte noch einen weiteren Zweck für Livestreaming. Nachdem Videospiele immer detailreicher und grafiklastiger wurden, stiegen auch die Anforderungen an Konsolen und die Dateigrößen drastisch an. Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurde Gaming via Cloud ins Leben gerufen. Jetzt braucht man nur eine gute Internetverbindung, um zu spielen, denn die Inhalte werden per Stream auf den Bildschirm gebracht. Eine Lösung für manche Bereiche, die jedoch wieder neue Problemstellungen mit sich bringt.

Interaktion als innovativer Weg der Kommunikation 

Heute ist der Livestream im Gaming-Bereich wichtiger denn je. Unzählige Spiele werden bereits nur noch via Stream gespielt, dazu stehen Plattformen wie Playstation Now oder Steam zur Verfügung. Gleichzeitig boomen Twitch und YouTube Live weiterhin. Aber mittlerweile werden auch immer mehr kreative Anwendungen für den Livestream gefunden. So gibt es schon unzählige Spiele, die durch die Interaktion von Zuschauern wortwörtlich gesteuert werden. Dazu zählt das Spiel Choice Chamber, in dem der Spieler der Gnade seines Publikums ausgeliefert ist. Darin steuert man eine Figur durch eine Welt, die im Arcade-Stil aufgebaut ist. Erreicht der Spieler eine Truhe, können die Zuseher durch das Eintippen von Worten bestimmen, was sich darin befindet. Sind sie gnädig, können sie dem Spieler ein Schwert schenken, wollen sie ihm das Leben jedoch schwer machen, so befindet sich darin vielleicht nur eine Pfanne.

Twitch widmete dieser Art des Streamings sogar eine ganze Sektion namens Twitch Plays. Darin konnten Zuseher nur mit der Chatfunktion die beliebten Pokémon-Spiele gemeinsam spielen. Allein durch die Eingabe von Worten bewegte sich die Spielfigur über die Map. Hier wurde das Publikum zum alleinigen Spieler, wodurch das ganze zu einem sozialen Experiment wurde. Würden sich die zahlreichen Teilnehmer gegenseitig blockieren, indem sie alle die Figur zu steuern versuchen oder können sie auf einen gemeinsamen Nenner kommen und das Spiel gemeinsam spielen?

Interaktivität ist ein wichtiger Faktor, wenn es um die Kommunikation von Live-Usern geht. In Online-Casinos der Schweiz beispielsweise werden echte Dealer eingesetzt, die in einem Studio via Liveübertragung auf das Endgerät des Nutzers übertragen werden. Das Studio besteht meist aus einem Greenscreen-Hintergrund, der auf dem Bildschirm durch eine lebhafte Casinoatmosphäre ausgetauscht wird. Wird zum Beispiel Poker oder Roulette gespielt, so ist der Hintergrund hinzugefügt, der Spieltisch selbst ist jedoch echt. Das bedeutet, dass der Ball im Roulettekessel tatsächlich rollt und echte Karten ausgeteilt werden. Damit die Ergebnisse der Runde auf den Computer übertragen werden können, wird die OCR oder auch „Optical Character Recognition“-Technologie eingesetzt. Damit kann der Computer die Ergebnisse auf dem Bildschirm richtig interpretieren und wie im Online-Casino automatisch verarbeiten.

Damit das Spiel rund um die Uhr laufen kann, selbst wenn nicht genügend Spieler online sind, stellt das Live-Casino außerdem Overlays zur Verfügung. Dabei handelt es sich um Preisgeld, das vom Haus beigesteuert wird, um eine Pot-Summe zu erreichen, selbst wenn nicht genügend Buy-Ins beigesteuert wurden. So ist der Livestream immer und überall für ein Spiel bereit. 

 

Die Zukunft des Streamings

Streaming ist hier, um zu bleiben – so viel steht fest. Die Liveübertragungen haben mittlerweile so viele Anwendungsbereiche gefunden und sind für viele Spiele unerlässlich. Vor allem im Bereich der Videospiele ist die Zukunft klar. Um die besten Spiele zu spielen, wird der Weg nicht mehr an Streaming-Diensten vorbeigehen. Dabei wird kein teures Equipment mehr gebraucht, denn die Daten werden auf einem anderen Rechner verarbeitet und nur auf den eigenen Bildschirm gestreamt.

Die Idee scheint gut! Problematisch wird es jedoch nur, wenn die Kapazitäten der Server nicht ausreichen, um alle Spieler gleichzeitig mit dem passenden Stream zu versorgen. Hier werden die grossen Namen wie PlayStation Now und Steam immer wieder aufstocken müssen. Dass der Trend jedoch weiterhin in dieselbe Richtung geht, zeigt auch das Project xCloud von Microsoft. Der IT-Gigant hat ebenfalls einen Streaming-Dienst in Planung, mit dem alle Spiele aus der Microsoft-Schmiede und Xbox gestreamt werden können. Das Projekt ist derzeit jedoch erst in der Entwicklung.

Auch das Streaming auf Plattformen wie Twitch boomt weiterhin. So wurden alleine im Januar 2019 124,8 Millionen Stunden von Zuschauern investiert, um das Spiel Fortnite live zu verfolgen. Und die Zahlen steigen monatlich weiter an. Auch die Plattform Steam verzeichnet einen stetigen Anstieg von Nutzern, wobei nicht alle der Spiele direkt über die Plattform gestreamt werden, sondern manchmal auch heruntergeladen werden müssen. Im Januar 2018 wurden zu Spitzenzeiten 18,5 Millionen gleichzeitige User gemessen. Die USA ist derzeit der stärkste Nutzer von Steam, dicht gefolgt von China. Doch auch in Europa verbreitet sich die Nutzung immer mehr. Die Zukunft deutet eindeutig auf Livestreaming.

Livestreaming ist bereits ein wichtiges Element vieler Spiele und wird sich auf lange Sicht immer stärker in der Gaming-Industrie verbreiten. Durch die Anwendung von Streaming-Plattformen können große Spiele ohne die passende Hardware problemlos abgespielt werden, wie es mit Filmen auf Netflix bereits gemacht wird. Gleichzeitig wird der Stream in Online-Casinos oder Plattformen wie Twitch bereits auf besonders kreative Weise eingesetzt und gibt dem Spiel eine zusätzliche Interaktionsmöglichkeit mit der Außenwelt.

Wir sind gespannt, was sich die Industrie noch alles einfallen lässt.

 

Foto 1: (game-1926907 / pixabay.com)
Die Spieleindustrie wird einem ständigen Wandel unterzogen. Ist der Livestream die Richtung der Zukunft?

Foto 2: (pexel / pixabay.com)
Im Live-Casino wird mit echten Croupiers und Tischen gespielt - übertragen wird das Ganze via Stream.

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